Was Filme angeht, haben wir eine besondere Vorliebe für elektronische Soundtracks. Oftmals vor allem in Science-Fiction- und Horrorfilmen zu finden, hat der gekonnte Einsatz elektronischer Musik in Filmsoundtracks einige der unvergesslichsten Momente der Filmgeschichte hervorgebracht.
In diesem Blog tauchen wir tief in die Welt der besten Filme mit elektronischer Musik aller Zeiten ein – von den Synthesizer-Soundtracks von Wendy Carlos bis hin zu Mica Levis zeitgenössischen klassischen Experimenten. Dabei beantworten wir Fragen wie: Was war die erste Filmmusik mit elektronischer Musik? Verwendet Hans Zimmer elektronische Musik? Und welcher Regisseur hat auch seine eigenen elektronischen Filmsoundtracks komponiert?
Pionier:innen
Der erste elektronische Filmsoundtrack wurde vom Ehepaar Bebe und Louis Barron für den Film „Forbidden Planet“ aus dem Jahr 1956 komponiert. Inspiriert von Norbert Wieners Buch „Cybernetics: Or Control and Communication in the Animal and the Machine“ (1948) baute Louis Barron elektronische Schaltkreise, um verschiedene Piep- und Signaltöne zu erzeugen. Dabei machte er intensiv von der Ringmodulation Gebrauch. Die Klänge wurden anschließend nach der Aufnahme weiterbearbeitet, wobei Echo, Filter und Tonbandmanipulationen zum Einsatz kamen.
Die Besten Elektronischen Filmsoundtracks
- A Clockwork Orange (Uhrwerk Orange) – Wendy Carlos (1972)
- The Fog – John Carpenter (1976)
- Blade Runner – Vangelis (1982)
- Matrix – Don Davis (1999)
- The Virgin Suicides – Air (1999)
- Tron: Legacy – Daft Punk (2010)
- The Social Network – Trent Reznor & Atticus Ross (2010)
- Drive – Cliff Martinez (2011)
- Under the Skin – Mica Levi (2013)
- Blade Runner 2049 – Hans Zimmer & Benjamin Wallfisch (2017)
- Uncut Gems – Daniel Lopatin (2019)
- Poor Things (Arme Dinger) – Jerskin Fendrix (2023)
A Clockwork Orange (Uhrwerk Orange) – Wendy Carlos (1972)
Die Synthesizer-Pionierin und zeitweise als Beraterin für Moog tätige Wendy Carlos schuf unvergessliche Soundtracks für zwei Filme von Stanley Kubrick: „The Shining“ und „A Clockwork Orange“. Durch die Verschmelzung klassischer Werke von Purcell, Elgar und Beethoven mit ihren eigenen innovativen Synthesizer-Kompositionen war Carlos’ Arbeit an letzterem Film wahrhaft bahnbrechend – ihre Beethoven-Bearbeitung „March from A Clockwork Orange“ war der erste eingespielte Song, bei dem ein Vocoder für den Gesang zum Einsatz kam.
Diese ungewöhnliche Kombination aus klassischer Musik und zeitgenössischem Songwriting formte die Welt, die im Film erschaffen wurde, maßgeblich und schuf eine kalte, distanzierte und unheimliche Atmosphäre. Wie Electronic Sound schrieb: „Die maschinell erzeugten Töne selbst sorgten für ein futuristisches Gefühl, dienten aber auch dazu, das Original zu verzerren und zu verfälschen, es herabzuwürdigen … Es ist ein fast punkiger Ansatz in seiner Missachtung der Normen und Feinheiten der klassischen Musik, und A Clockwork Orange nahm die karikaturhafte Gewalt und die nihilistische Ablehnung gesellschaftlicher Regeln des Punk vorweg.“
Das Ergebnis ist eine der besten Synth-Filmmusiken aller Zeiten.
The Fog – John Carpenter (1980)
Von „Halloween“ bis „Assault on Precinct 13” hat Regisseur John Carpenter legendäre Musik für viele seiner Filme komponiert. Für uns zählt sein Titelsong zum Kult-Horrorfilm „The Fog“ aus dem Jahr 1980 zu seinen besten Werken. Das Leitmotiv erinnert an Mike Oldfields Tubular Bells – bekannt aus „Der Exorzist“ – und beeindruckt durch eindringliche, arpeggierte Synthesizerklänge und das unheilvolle Klimpern des E-Pianos, das eine kraftvolle Wirkung entfaltet.
Blade Runner – Vangelis (1982)
Es gibt kaum eine wegweisendere elektronische Filmmusik als die für den Golden Globe nominierten Kompositionen von Vangelis für Ridley Scotts dystropischen Film Noir. Regelmäßig als beste Science-Fiction-Filmmusik aller Zeiten bezeichnet, schuf der griechische Komponist für Blade Runner mit seinem Synthesizer-Arsenal ein fesselndes Klanguniversum – von den geheimnisvollen Harmonien, die die Haupttitel prägen, bis hin zum loungigen Jazz mit Saxophonklängen im Liebesthema. Seltsam zeitlos und doch ganz und gar ein Kind seiner Zeit, vermittelt dieser Soundtrack eine düstere Zukunftsvision, die auch nach mehr als 40 Jahren absolut unvergesslich bleibt.
The Matrix - Don Davis (1999)
Ein weiterer legendärer dystopischer Soundtrack stammt vom Komponisten Don Davis, der die schwindelerregende Handlung des bahnbrechenden Science-Fiction-Meisterwerks „Matrix“ mit einem Feuerwerk aus Synthesizern, Waldhörnern, satten Streichern, Klavier, Percussion und Waterphone unterstrick.
The Virgin Suicides - Air (1999)
Man kann unmöglich an Sofia Coppolas beeindruckende Adaptation von Jeffrey Eugenides Roman denken, ohne die kompositorischen Fähigkeiten von Air zu bewundern. Tatsächlich zählen ihre beiden träumerischen Beiträge zum The Virgin Suicides Soundtrack nach wie vor zu den meistgestreamten Songs des French Touch Duos. Mit sanften Vocals von Thomas Mars von Phoenix beschwört das zentrale Liebesthema „Playground Love“ eine Atmosphäre sehnsüchtiger Romantik herauf, untermalt von sanften Mellotron-Klängen und dem himmlischen Funkeln von E-Piano-Akkorden.
Tron: Legacy - Daft Punk (2010)
Die französischen House-Pioniere Daft Punk übernahmen den Staffelstab von Wendy Carlos – die die Musik zum Originalfilm Tron komponiert hatte – und produzierten den Soundtrack zur lang ersehnten Fortsetzng der Science-Fiction Reihe. Das Ergebnis ist ein wunderschöner retro-futuristischer Hybrid-Soundtrack, bei dem Thomas Bangalter und Guy-Manuel de Homem-Christo ihre atmosphärische, von den 80ern geprägte Elektronik mit orchestraler Kraft untermalen. Besonders beeindruckend ist die mit Arpeggios und Hall durchtränkte Synth-Hymne „Son of Flynn“.
The Social Network - Trent Reznor & Atticus Ross (2010)
Trent Reznors Zusammenarbeit mit Atticus Ross für die Facebook-Biografie „The Social Network“, die dem Gründer von Nine Inch Nails seinen ersten Oscar einbrachte, wird regelmäßig zu einer der besten modernen, unkonventionellen Filmmusiken gewählt. Durchgehend verbindet der Soundtrack düsteren Synth-Pop, Industrial-Rock und eindringliche Klavierstücke, um ein Gefühl brodelnder Unruhe zu erzeugen. Dennoch bleibt die Einleitung von „Hand Covers Bruise“ der bewegendste musikalische Moment des Films, wie Pitchfork in seiner Retrospektive von 2022 in Erinnerung rief:
„Ein Klavier, leuchtend und aus nächster Nähe aufgenommen, spielt eine einfache Melodie, die an Brian Enos ‚1/1‘ aus Music for Airports erinnert, oder vielleicht an Enos Startmusik für Windows 95. Untermalt vom geschäftigen Gewirr der Tremolo-Streicher schwebt das Klavierthema wie ein Geist durch den Lärm. Es ist düster, hell, bezaubernd, bedrohlich – die gesamte Welt des Films, zusammengefasst und auf 40 brodelnde Sekunden reduziert. Dann, gerade als die Kamera zum Wohnheim schwenkt, ertönt eine tiefe, dunkle Synthesizer-Note, die einen mit gelben Augen anstarrt.“
Drive - Cliff Martinez (2011)
Es gibt nicht viele Filmmusiken, die den Film selbst in den Schatten stellen, doch bei Nicolas Winding Refns Noir-Actiondrama könnte man durchaus behaupten, dass der eigentliche Star der Soundtrack war. Durch die Kombination von romantischen Electro-Pop-Stücken zeitgenössischer Acts wie Kavinsky, Chromatics und College mit Cliff Martinez’ stimmungsvoller Synth-Filmmusik wurde „Drive“ zu einem überraschenden kommerziellen Erfolg.
Martinez selbst reflektierte anlässlich des 10-jährigen Jubiläums des Films: „Die Wörter ‚Hit‘ und ‚Soundtrack‘ kommen selten im selben Satz vor. Die Filmmusik zu Drive ist das, was einem solchen Erfolg für mich am nächsten kommt. Und ich wünschte, ich wüsste das Rezept für diesen Erfolg, denn niemand ist mehr darauf erpicht als ich, diese Erfahrung zu wiederholen.“
Under the Skin – Mica Levi (2013)
Jonathan Glazers Science-Fiction-Horror-Meisterwerk aus dem Jahr 2013 bleibt einem noch lange nach dem Anschauen im Gedächtnis. Das Gleiche gilt für den Soundtrack, der von der experimentellen britischen Komponistin Mica Levi geschaffen wurde. Im Gespräch mit dem Guardian im Jahr 2014 erklärte Levi: „Wir haben uns den natürlichen Klang eines Instruments angesehen, um darin etwas eindeutig Menschliches zu finden, und dann das Tempo verlangsamt oder die Tonhöhe verändert, um ein Gefühl des Unbehagens zu erzeugen.“ Was folgt, ist eine äußerst beunruhigende, aber wunderschöne Filmmusik, die von zitternden Synth-Drones und künstlich gedehnten Streichern getragen wird – am besten vielleicht veranschaulicht durch den Titel „Love“.
Blade Runner 2049 - Hans Zimmer & Benjamin Wallfisch (2017)
Wie knüpft man an eine der ikonischsten Filmmusiken aller Zeiten an? Indem man natürlich den Oscar-prämierten Komponisten Hans Zimmer engagiert, um die Fortsetzung zu schreiben. Welche Filmmusiken hat Hans Zimmer zuvor komponiert?
Unter anderem „Interstellar“, „Gladiator“ und „Inception“, um nur einige der großen Namen zu nennen.
Mit der Aufgabe betraut, die Filmmusik für Denis Villeneuves mit Spannung erwartete Blade Runner-Fortsetzung zu komponieren, holte sich Zimmer zusätzliche Unterstützung vom britischen Komponisten Benjamin Wallfisch. Als Hommage an die Originalmusik verwendet das Duo dieselbe Technik wie Vangelis, darunter den legendären CS-80-Synthesizer, und mischt atmosphärisches Sounddesign mit dem, was Dazed als „Zimmers Markenzeichen aus dröhnenden Hörnern, donnernden Trommeln und hohen, klangvoll resonierenden Synthesizern“ beschrieben hat. Erhalten Sie in diesem kurzen Beitrag einen Einblick in ihren kreativen Prozess:
Uncut Gems - Daniel Lopatin (2019)
Dank der risikoreichen Eskapaden des Protagonisten Howard Ratner (Adam Sandler) ist der Film Uncut Gems der Safdie-Brüder zum Inbegriff filmischer Spannung geworden. Ein wesentlicher Teil des Verdienstes gebührt Daniel Lopatin – alias dem bei Warp unter Vertrag stehenden experimentellen Elektronikmusiker Oneohtrix Point Never –, der eine der einprägsamsten Filmmusiken dieses Jahrhunderts beigesteuert hat.
In Lopatins leicht mulmigen Synth-Klängen finden sich Anspielungen auf Vangelis, während seine geniale Entscheidung, Chorstimmen zu schneiden und zu montieren, eine großartige Atmosphäre von Unheimlichkeit schafft. Wie der Guardian in seiner glänzenden Kritik schrieb: „Beschwingte Flöten und Oboen, die an die jüngste Welle wiederaufgelegter japanischer Ambient-Musik erinnern, beschwören den Rausch zwischen Stressphasen herauf; Soft-Porn-Saxophon zaubert den trashigen Glamour des Diamantenviertels herbei; wortlose Gesänge und Chöre suggerieren einen Geist, der nach Sprache und Bedeutung greift.“
Poor Things - Jerskin Fendrix (2023)
Das Einzige, was noch seltsamer ist als Yorgos Lanthimos’ Verfilmung von Alastair Grays postmodernem Gothic-Horror, ist Jerskin Fendrix’ Oscar-nominierter Soundtrack dazu. Durch den Einsatz einer Palette aus Holzblasinstrumenten und synthetisierten, hauchigen Gesangssamples erweckt Fendrix die kindliche Neugier von Emma Stones Bella Baxter zum Leben und verleiht Lanthimos’ fantastischer, an Frankenstein erinnernder Vision zusätzliche Tiefe.
Abspann
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